Flugzeugentführung per Internet?

Alles kein Problem, wenn man manchem Bericht glauben möchte.

Alles kein Problem, wenn man manchem Bericht glauben möchte.Der US-amerikanische IT-Experte Chris Roberts scherzte jüngst auf einem Flug mit United Airlines via Twitter, er sei ins System des Jets eingedrungen und könne jederzeit sicherheitsrelevante Systeme beeinflussen. Die Behörden fanden das nicht lustig und empfingen ihn bei der Landung.

Der ORF zitiert Roberts mit der Aussage, »es sei für technisch Begabte kein Problem, „auf 10.000 Meter Flughöhe die Motoren auszuschalten, ohne dass eine einzige blöde Warnlampe im Cockpit aufleuchtet“.« Das ist, lassen Sie es mich vorsichtig ausdrücken, in dieser Form grober Unfug. Eigens zu Versuchen engagierte »technisch Begabte« scheiterten selbst an kleineren Manipulationen. Und Roberts dürfte zwar seinen Laptop an das Unterhaltungssystem angeschlossen haben; jedoch ohne die Möglichkeit, dadurch den Flugverlauf in irgendeiner Weise zu beeinflussen. Umgekehrt hingegen reicht der Druck auf einen Schalter im Cockpit, um die gesamte Unterhaltungselektronik auszuschalten.

Die Absicherung elektronischer Systeme an Bord gegen Angriffe von außen ist natürlich ein Thema. Die Flugroute für einen Langstreckenflug kann auf modernen Flugzeugen beispielsweise digital übermittelt werden. Das ist eine große Arbeitserleichterung und auch der Sicherheit zuträglich. Wer aber glaubt, dass es durch eine Manipulation hier möglich wäre, ein Flugzeug gegen einen Berg zu steuern, stellt sich den Vorgang falsch vor. Eine verfügbare Route muss von den Piloten ausdrücklich geladen und bestätigt werden; dann ist zu überprüfen, ob sie mit dem gedruckten und bei der Flugsicherung aufgegebenen Flugplan übereinstimmt. Die Route enthält ferner kein Höhenprofil, dem das Flugzeug vollautomatisch folgen würde.

Und selbst, wenn der Navigationscomputer komplett fernsteuerbar wäre: Ein Knopfdruck genügt, und das Flugzeug folgt nicht mehr seinen Vorgaben. Ein weiterer Knopfdruck, und man fliegt überhaupt von Hand. Natürlich kann man argumentieren, dass auch hierbei Computer im Spiel sind. Aber eben wieder andere, die nicht per Satellit mit Daten gefüttert werden können.

Zurzeit bietet paradoxerweise gerade das konservative, weit hinter Handys und Tablets hinterherhinkende Kommunikationssystem der meisten Jets Schutz gegen Hacker. Bei kommenden Flugzeuggenerationen wird es umso wichtiger sein, die Trennung der Elektronik im Cockpit von der in der Passagierkabine aufrechtzuerhalten, und nicht alle Möglichkeiten der Vernetzung zu nutzen, die kostengünstig oder einfach nur bequem wären.

Zuerst veröffentlicht am 12.06.2015

Ein Schalterdruck genügt, um die Bordunterhaltung (IFE für Inflight Entertainment) auszuschalten, über die Chris Roberts Flugzeuge manipulieren will.

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