Einmal mehr: Der Traum vom Fliegen ohne Piloten.
Am vergangenen Wochenende fegte ein Sturm mit Windspitzen von 120 Stundenkilometern über Europa hinweg und verursachte erhebliche Schäden. Im Flugverkehr wurden einige Anflüge abgebrochen und ein paar Flugzeuge wichen zu Flughäfen aus, wo die Bedingungen besser waren. Einziger nennenswerter Vorfall, soweit ich weiß: Eine Boeing 737 der polnischen Enter Air setzte hart in Salzburg auf (Quelle: Aviation Herald), startete durch und kehrte zu ihrem Ausgangspunkt Frankfurt zurück.
Was hat das alles mit Thomas Enders zu tun? Thomas Enders ist Vorstandsvorsitzender bei Airbus. In einem Interview, das einige Beachtung fand, äußerte er die Überzeugung, Haupt-Risikofaktor in der Fliegerei sei die Cockpitbesatzung. Lieber Herr Enders, mir ist keine Flugzeugtype bekannt, deren Autopilot auch nur bei der Hälfte der Spitzenwindgeschwindigkeiten vom Wochenende für Landungen zugelassen wäre – für Starts sowieso nicht. Es waren Menschen, die in den stürmischen Tagen am letzten Wochenende tausende von Flugbewegungen unter extremen Bedingungen sicher und zuverlässig abwickelten, wo es einer Automatik nicht möglich gewesen wäre.
Das muss natürlich nicht für alle Zukunft so bleiben, aber es lohnt sich, Enders‘ Vision einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. Und solange die Technik noch nicht ganz so weit ist: Investieren wir doch in die Ausbildung von Menschen, statt sie als leicht verzichtbares Sicherheitsrisiko zu charakterisieren.
Zuerst veröffentlicht am 06.11.2017
