Spurlos

Darum kommt man nicht herum, wenn man sich mit Sicherheit im Flugverkehr befasst: Am 8. März verschwand eine unter der Flugnummer MH 370 nach Beijing gestartete Maschine der Malaysian Airlines über dem Südchinesischen Meer. Spurlos, bisher.

Das Flugzeug war eine Boeing 777-200ER, der gleiche Typ, den ich fliege. Wie weit kann man sich als Pilot in so eine unklare Situation hineinversetzen? Was ist passiert?

Längst nicht nur im Internet häufen sich die Spekulationen über technische Ursachen, Entführungsziele, mysteriöse Details, Wrackteilsichtungen. In den letzten Tagen wurden in immer schnelleren Takt Erkenntnisse präsentiert, korrigiert, widerrufen.

Die Presse zelebriert das, denn die Lust am Geheimnis ist um so viel größer als die Menge gesicherter Fakten. Auch der ORF ist sich nicht zu schade, den Mythos Bermudadreieck zu reanimieren: ein wirklich alter Hut, der nicht besonders gut passt.

Für mich als Piloten ist nur schwer vorstellbar, dass es kaum Spuren über den Verbleib des Flugzeugs gibt, wenn diese nicht konsequent unterdrückt wurden. Das deutet auf eine kriminelle Handlung hin und nicht auf einen klassischen Flugunfall.

Der Zeitpunkt des Verschwindens bei der Übergabe an die vietnamesische Kontrollstelle war günstig, weil die beteiligten Fluglotsen die Maschine jeweils in der Obhut des Kollegen vermuten konnten. Oft ist eine falsch verstandene Funkfrequenz der Grund, wenn sich ein Flugzeug nicht gleich meldet, und kein Lotse vermutet deshalb gleich eine Unregelmäßigkeit. Falls dieser Zeitpunkt bewusst gewählt wurde, dann von jemandem, der Einblick in die Vorgänge im Cockpit hatte.

Dennoch ist es zu früh, um deshalb die Besatzung zu beschuldigen. Vielleicht hat sie nur versucht, aus einer schwierigen Situation das Beste zu machen.

Wahr ist zweifellos eines. Der gegenwärtige Informationsstand – vermutlich selbst voll informierter Kreise, ganz bestimmt aber der Weltöffentlichkeit – lässt es zurzeit nicht zu, irgendein konkretes Szenario zu entwickeln. Das ist quälend für die Angehörigen, die täglich mit neuen Theorien konfrontiert werden.

Man wird vielleicht nie mit Sicherheit wissen, was in den Köpfen derjenigen vorging, die das Flugzeug in dieser Phase kontrollierten, oder was sie motivierte. Aber ich bin zuversichtlich, dass sich am Ende Kurs und Verbleib des Flugzeugs ermitteln lassen. Auch, wenn es lange dauert.

Und unabhängig davon, ob das Flugzeug gefunden wird, wird es ganz sicher Maßnahmen geben, um sicherzustellen, dass sich ein solches Szenario nicht wiederholen kann.

Vollmondnacht über dem Golf von Bengalen zwischen Singapur und Wien

Zuerst veröffentlicht am 13.03.2014

Ein Gedanke zu “Spurlos

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