Nicht weit entfernt von der Salzburger Innenstadt, am östlichen Ufer der Salzach, erhebt sich der Kapuzinerberg. Kein großer Berg, aber immerhin überragt er seine Umgebung um etwa 200 Meter. Stefan Zweig war hier zeitweise zuhause. Mehrere Wege führen hinauf, außerdem gibt es einen kurzen, kraftraubenden Klettersteig.
Kürzlich druckten die Salzburger Nachrichten den Leserbrief von Frau S., die sich bitter darüber beklagte, dass Pläne für eine Untertunnelung des Berges nicht umgesetzt werden sollen.
»Ich bin seit 37 Jahren Bürgerin der Stadt Salzburg und genauso lange ärgere ich mich, dass ich […] direkt auf einen Berg zufahre, diesen aber nicht durchfahren kann, sondern entweder rechts oder links daran vorbeifahren muss […].«
Ja, so sind sie oft, die Berge.
»Einen so kleinen Stadtberg zu umfahren, statt durch ihn hindurchzufahren, halte ich für einen verkehrstechnischen und städtebaulichen Luxus und Unsinn.«
Hmm. Also wenn er so klein ist, der Berg, dann kann das Umfahren doch wohl nicht so schlimm sein?
Ich bin nicht gegen Tunnel, weder im Allgemeinen noch in diesem Fall. Ehrlich gesagt, ich kann Aufwand und Nutzen des Projektes nur schwer beurteilen. Aber die Haltung, die in dem Brief von Frau S. zum Ausdruck kommt, die kenne ich: ein verzerrtes Verhältnis zu den Rahmenbedingungen der Natur.
Im Flugzeug zeigt sich das in zwei verschiedenen Varianten. Manchen Menschen bereiten harmlose Naturphänomene – minimale Turbulenzen – große Angst. Andere wieder verstehen nicht, dass wegen weniger harmloser Naturphänomene – ausgedehnte Gewitter, Eis oder Schnee – ein Start verschoben oder ein Ausweichflughafen angeflogen werden muss. Dass es manchmal einfach keine schnelle Alternative gibt. Dass uns die Natur selbst heute noch Grenzen setzt.
Liebe Frau S., die Sie seit 37 Jahren in Salzburg wohnen: Der Kapuzinerberg war schon vor Ihnen da. Ich finde, das verdient auch ein bisschen Respekt.
Zuerst veröffentlicht am 28.05.2014
