Dieses Blog beschäftigt sich mit der Darstellung der Luftfahrt in den Medien und den Auswüchsen, über die man dabei stolpert. Bisher habe ich mich auf etablierte Presseorgane mit hoher Reichweite beschränkt und die Weiten des Netzes gemieden, weil es dort schnell uferlos wird. Vielleicht lohnt sich aber doch exemplarisch ein kurzer Blick.

Ein Kollege wies mich auf einen Artikel hin, in dem der pensionierte Flugkapitän Peter Haisenko seine Erkenntnisse zum mutmaßlichen Abschuss der MH 17 am 17. Juli 2014 veröffentlicht. Die Ein- und Austrittslöcher an Wrackteilen vom Bug weisen, so seine Überzeugung, auf einen Abschuss durch ein ukrainisches Kampfflugzeug hin. Nach Durchsicht der im Internet verfügbaren Bilder kommt er zu dem Schluss, dass das Flugzeug »nicht von einer Rakete in der Mitte getroffen« wurde.
Das hat allerdings auch niemand ernsthaft behauptet. Zur derzeit als wahrscheinlich angesehenen These, ein Sprengkopf mit Schrapnellgeschossen sei ferngesteuert in unmittelbarer Nähe des Flugzeugs zur Detonation gebracht worden, äußert sich der Autor hingegen nicht. Stattdessen bringt er den Anschlag von Lockerbie 1988 ins Spiel. Damals wurde jedoch eine Bombe an Bord geschmuggelt, was einen Vergleich unsinnig macht.
Der Artikel ist mit »Schockierende Analyse« überschrieben. Analyse weckt Assoziationen zu neutral ablaufenden Laborverfahren, die objektive Ergebnisse ergeben. Das kann man von dieser Art »Aufklärung« nicht erwarten. Hier wird alles einfach ausgeblendet, was die eigene Interpretation, sei sie nun richtig oder falsch, stören könnte. So kann man dann auch schneller zu einem Ergebnis gelangen als jede Untersuchungskommission.
Die Lust am Geheimnis ist groß, und wer kennt nicht das Bedürfnis, zu spekulieren und Szenarien zu entwerfen. Das dann aber als schlüssige Analyse zu veröffentlichen, bedeutet Desinformation und untergräbt das Vertrauen in jene, die das Unglück ernsthaft untersuchen. Die wahren Schuldigen profitieren davon.
Zuerst veröffentlicht am 16.08.2014
