Babypiloten

Eines der schwerwiegendsten und inzwischen bestuntersuchten Flugunglücke der jüngeren Vergangenheit ist der Absturz eines Airbus A330 der Air France über dem Südatlantik am 1. Juni 2009. Zwei Jahre später titelt THE AUSTRALIAN, ein »‚Baby‘ pilot« sei hier am Steuer gewesen, und suggeriert, dass das ausschlaggebend für den Unfall gewesen sei.

Das »Baby« hieß Pierre-Cedric Bonin, war immerhin zweiunddreißig, hatte knapp 3000 Flugstunden und flog den A330 seit einem Jahr. Mit ihm im Cockpit war der zweite Copilot David Robert, 37 Jahre alt und entsprechend erfahrener.

Dass auf diesem Flug etwas auf furchtbare Weise schiefging, ist offensichtlich. Dass fliegerische Erfahrung ein Parameter ist, der die Leistungsfähigkeit eines Piloten mit bestimmt, ist zweifellos wahr, aber es ist – zumindest jenseits der ersten paar tausend Flugstunden – nur ein Parameter von vielen.

Der Artikel zitiert einen Experten, der behauptet, amerikanische Airline-Piloten, die vielfach einen militärischen Hintergrund hätten, seien prinzipiell sicherer unterwegs als ihre europäischen Kollegen mit zivilem Werdegang innerhalb einer Airline. Dafür gibt es allerdings keinerlei Beleg in den Unfallzahlen.

Bonin jedenfalls zahlte für die Nichtbewältigung einer komplexen Situation den denkbar höchsten Preis. Der Vergleich mit einem der Welt weitgehend machtlos ausgelieferten Säugling ist überflüssig und sachlich verfehlt.

Geschmacklos noch dazu: Bonins eigene Kinder wurden durch den Unfall zu Vollwaisen, denn seine Ehefrau befand sich mit an Bord.

Zuerst veröffentlicht am 28.02.2014

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