Jenseits der Schlagzeilen

Ein einzelner Mann hat sich der Aufgabe verschrieben, authentisch über Vorkommnisse in der Zivilluftfahrt zu berichten – in der Tat eine Marktlücke.

Wer sich über das Thema Sicherheit in der Luftfahrt ein Bild machen möchte, hat es nicht leicht. Die Tagespresse liefert zahllose reißerische, schlecht recherchierte und objektiv fehlerhafte Berichte. Das Ergebnis ist Desinformation: siehe unten. Und Desinformation ist schlimmer als das bloße Fehlen von Information, weil sie in die Irre führt.

Was also tun?

Wer wirklich etwas erfahren möchte, findet beim Aviation Herald (www.avherald.com) eine umfassende, gut recherchierte und aktuelle Darstellung von Vor- (und natürlich auch Un-)fällen in der Luftfahrt. Der Salzburger Simon Hradecky hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Daten weitgehend spendenfinanziert und vollständig unabhängig zusammenzutragen. Dafür werden ihm weltweit Anerkennung und Aufmerksamkeit zuteil.

Um Authentizität zu gewährleisten, zieht Hradecky dabei immer mehrere Quellen heran. Und trotzdem ist er oft schneller als die Tagespresse. Am 24. Mai 2013 zum Beispiel musste ein Airbus der British Airways kurz nach dem Start nach London zurückkehren. Während anderswo noch wild über den Grund spekuliert wurde, veröffentlichte der Aviation Herald bereits Fotos, die diesen zweifelsfrei zeigten: Abgerissene, augenscheinlich vor dem Start nicht ordnungsgemäß verriegelte Triebwerksverkleidungen.

Aufschlussreich sind auch Meldungen, die es nie in die Tagespresse schaffen: So gab es laut Aviation Herald am 30. August 2013 auf drei unterschiedlichen Flügen 50 Verletzte durch Turbulenzen. Das hätte in diesem Ausmaß nicht passieren können, wären die Anschnallzeichen von allen Passagieren beachtet worden.

Eines ist klar: Wer mit Flugangst zu tun hat, für den kann die umfangreiche Auflistung der weltweit aufgenommenen Vorkommnisse ein Schock sein.

Aber ein heilsamer, zumindest auf den zweiten Blick. Menschen sind nicht perfekt und Flugzeuge sind nicht perfekt, genauso wie andere technische Geräte auch. Doch Flugzeugbesatzungen stellen sicher – mit extrem seltenen, bedauerns- und untersuchenswerten Ausnahmen – dass daraus keine Schlagzeilen entstehen. Das ist ihre tägliche Arbeit. Dafür sind sie trainiert: Für Rücklandungen, Startabbrüche, Triebwerks- und Systemausfälle.

Etwas anderes noch zeigt Simon Hradecky mit dem Aviation Herald: was ein einzelner Mensch schaffen kann, wenn persönlicher Einsatz, hohe Ansprüche und Kompetenz zusammentreffen. Ohne, dass Sensationsgier dazwischenfunkt.

Zuerst veröffentlicht am 22.09.2013

Nachtrag Februar 2026:
Lange nach der Entstehung dieses Artikels, an einem regnerischen Sommertag 2021, traf ich Simon Hradecky in einem Restaurant in Salzburg zu einem langen Gespräch. Es war mir eine echte Ehre!

Ein Gedanke zu “Jenseits der Schlagzeilen

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